Ein Bowdenzug besteht aus einem Bowdenzugseil, der Seele, und der Bowdenzughülle, dem Mantel. Dies sind die beiden Bauteile des Bowdenzugs, die die zu übertragende Kraft aufnehmen. Ohne den Mantel müsste die Seele über Seilrollen umgelenkt werden und es könnten nur gerade Strecken verlegt werden. Der Mantel bestimmt den Weg des Bowdenzugs und nimmt die Kräfte von der Seele auf.

 

Bei einem auf Zug belasteten Bowdenzug, zieht die Seele den Mantel zusammen. Damit die Kraft ohne Verluste vom Bowdenzug übertragen werden kann, darf der Mantel unter der Druckkraft nicht kürzer werden. Auch die Reibung zwischen Mantel und Seele muss so gering wie möglich gehalten werden.

 

Der Mantel eines Bowdenzugs besteht aus drei Elementen. Ganz innen läuft die Seele in einem Kunststoffrohr. Um dieses Kunststoffrohr herum liegt eine metallische Struktur, die ganz außen durch eine Plastikschicht geschützt wird.

 

In dem inneren Kunststoffrohr bewegt sich die Seele des Bowdenzugs vor und zurück. Dabei entsteht Druck und Reibung, die auf das Kunststoffrohr übertragen werden. Als Material für dieses Führungsröhrchen wird in der Regel ein Polyamid-Kunststoff verwendet. Polyamid ist relativ robust und übersteht so die Reibung im Führungsschlauch. Gleichzeitig ist die Oberfläche des Führungsröhrchens glatt, um der Seele so wenig Widerstand wie möglich zu bieten. Das aus der Pfannenbeschichtung bekannte Teflon hat noch bessere Gleiteigenschaften als Polyamid. Es wird trotzdem weniger für die Führungsröhrchen verwendet. Um die Gleiteigenschaften zu verbessern wird es eher auf die Seele des Bowdenzugs aufgetragen.

 

Die metallische Struktur um das Führungsröhrchen herum nimmt die Kraft des Bowdenzugs auf. Es gibt Bowdenzüge, die nur aus einer Plastikhülle bestehen. Um die Kräfte aufzunehmen ist die Plastikhülle jedoch zu dünn, wenn man sie noch biegen können will. Sie ist nicht zur Aufnahme von Kraft geeignet und wird schnell durch die Seele beschädigt. Nimmt eine metallische Stützstruktur die Kraft im Bowdenzug auf, wirkt weniger Kraft und geringere Reibung auf das Führungsröhrchen. Dadurch wird die Lebensdauer deutlich erhöht.

 

Für Bowdenzüge werden meistens Flachdrahtwicklungen verwendet. Diese bestehen aus einem metallischen Band, das zu einem Rohr zusammengewickelt wird. Bringt man auf dieses Rohr Zugkräfte auf, würden sich die Wicklungen wie eine Feder auseinanderziehen. Sie sind jedoch nicht elastisch genug, um wieder in die Ausgangswicklung zurückzukehren. Die Flachdrahtwicklung wäre so zerstört. Bei Druckbelastung, wie sie bei einem Bowdenzug vorkommt, werden die einzelnen Wicklungen zusammengedrückt. Druckkräfte können problemlos aufgenommen werden.

 

Soll der Bowdenzug auch Druckkräfte übertragen, muss der Mantel so ausgelegt sein, dass er nicht zerstört wird. Flachdrahtwicklungen kommen für solche Push-Pull-Kabel nicht mehr in Frage. Die einfachste Lösung ist die Verstärkung des Führungsröhrchens durch längs angeordnete, parallel zueinander liegende Federdrähte. Sie ergeben eine Stützstruktur, die Druck- und Zugkräfte aufnehmen kann.

 

Bis auf wenige Ausnahmen wird die metallische Stützstruktur durch eine Kunststoffextrusion umgeben. Sie hält das Metallgeflecht zusammen und schütz vor Feuchtigkeit und Verschmutzungen. In 99 % der Fälle besteht die Extrusion aus schwarzem Polyamid. Die Metalldrähte guter Bowdenzüge bestehen aus rostfreiem Edelstahl. Günstigere Versionen werden zum Beispiel aus phosphatiertem Stahl gefertigt und können rosten.

 

Bowdenzüge sind Meterware. Alle Elemente sind länglich und können auf Rollen transportiert werden. Um von Meterware auf einen einzelnen Bowdenzug zu kommen, muss die Meterware gekürzt werden. Besonders beim Mantel muss beim Kürzen drauf geachtet werden, dass das metallische Stützgeflecht nicht seine Form verliert und zusammengedrückt wird. Drückt man die Bowdenzughülle zusammen, wird sie oval. Das heißt, sie wird schmaler und wird den innen laufenden Seilzug einklemmen. Dadurch läuft der Bowdenzug schwerer und geht früher kaputt. Um Meterware Bowdenzughülle zu kürzen, gibt es spezielle Bowdenzugzangen. Alternativ kann auch eine Flex verwendet werden.