Bowdenzüge sind rein mechanische Bauteile zur Kraftübertragung. Sie sehen meistens wie ein schwarzes Kabel aus, in dem ein Draht läuft. Das äußere schwarze Kabel wird Mantel oder Hülle genannt. Der innere Draht wird als Seele bezeichnet. Beide Bauteile des Bowdenzugs sind biegbar aber in der Regel nicht verdrehbar.

Bowdenzüge wurden als Alternative zu Stangengetrieben entwickelt. Mit Stangengetrieben werden wie mit einem Bowdenzug lineare, also geradlinige Kräfte übertragen.

Als bekanntestes Beispiel ist die Fahrradbremse anzuführen. An sehr alten Fahrrädern kann man noch die Bedienung einer Fahrradbremse ohne Bowdenzug sehen. Gebremst wird mit einem Handhebel am Lenker. Beim Drücken des Bremshebels wird ein Gummistempel mit einer Stange von oben auf den Fahrradreifen gedrückt. Bei Stempelbremsen wird die Kraft vom Bremshebel mit einer starren Stange bis auf den Stempel und den Reifen übertragen.

Der Nachteil eines Gestängesystems liegt auf der Hand: Wie kann man eine Stange um die Ecke, etwa vom Bremshebel am Lenker zum Reifen führen? Dazu benötigt man Gelenke, die die Richtung der Kraft verändern. Die können verschmutzen oder kaputt gehen. Kompliziert wird auch die Bedienung einer Hinterradbremse. Um bis zum Hinterrad zu kommen, werden viele Gelenke benötigt. Je mehr Gelenke ein Stangengetriebe aufweist, desto stärker muss man am Bremshebel ziehen, um die gleiche Bremskraft zu erreichen.

Der Bowdenzug ermöglicht es, Kräfte um die Ecke und sogar an bewegliche Teile zu führen. Die Bremse eines Vorderrads mit Federgabel könnte mit einem Stangengetriebe nur mit sehr viel Aufwand bedient werden. Mit einem Bowdenzug ist das kein Problem.

Damit ein Bowdenzug Kraft übertragen kann, muss er mindestens aus zwei Teilen bestehen: dem Mantel und der Seele. Der Mantel wird an beiden Enden an festen Lagerpunkten befestigt. Bei der Fahrradbremse befinden sich der eingangsseitige Lagerpunkt am Handhebel und der ausgangsseitige Lagerpunkt an der Fahrradbremse. Durch den Mantel wird ein Drahtseil, die Seele gezogen. Sie ist wiederum an den beweglichen Teilen des Bremshebels und der Bremse befestigt.

Der Verlegung um Ecken und Winkel ist mit einem Bowdenzug kein Problem. Selbst wenn die Ein- und Ausgabeseiten der Kraftübertragung relativ zueinander bewegt werden, zum Beispiel der Bowdenzug für die hintere Fahrradbremse beim Einschlagen des Fahrradlenkers, kann der flexible Bowdenzug die Bewegung einfach mit gehen und weiter seine Funktion erfüllen.

Mantel und Seele bilden mit ihren Anschlussstücken den Bowdenzug. Keines der Bauteile ist sehr komplex und aufwändig herzustellen. Das macht den Bowdenzug zu einem einfachen und sicheren Bauteil, welches in fast allen Maschinen Verwendung findet. Neben den angesprochenen Biegeradien spielen auch die Kraftrichtung und der Wirkungsgrad eine wichtige Rolle bei der Auswahl von Bowdenzügen.

Die meisten Bowdenzüge übertragen Kraft nur in Zugrichtung. Es handelt sich prinzipiell um ein Zugseil aus Draht, welches mit der Hülle nach einem bestimmten Weg verlegt wird. Ein Seil kann keine Druckkraft übertragen, da es bei Druckbelastung nach den Seiten hin ausweichen würde. Beim Fahrrad schließt man die Bremse mit Kraft in Zugrichtung des Seilzugs. Geöffnet wird die Bremse nicht durch den Hebel und den Bowdenzug. Würde man den Bremshebel in seine Ausgangsstellung zurück drücken, würde die Seele an den Stellen, an der sie nicht im Mantel geführt ist, seitlich ausweichen, falls nicht sowieso das Aufnahmeteil des Seilzugs im Bremshebel herausfällt. Es gibt allerdings auch Bowdenzüge, die Druck übertragen können, die Push-Pull-Kabel.