Bowdenzüge, die auch in Druckrichtung Kraft übertragen können, heißen Push-Pull-Kabel. Selbst Standardausführungen von Push-Pull-Kabel können gut über 3.000 N Kraft in Druckrichtung und noch weitaus höhere in Zugrichtung. Neben den klassischen Anwendungen als Schaltkabel bei Kfz-Getrieben oder für die Bootssteuerung, können sie Stangengetriebe ersetzen und lineare Aktuatoren beweglich verlängern. Prinzipiell kann mit Push-Pull-Kabeln die Eingabeseite von einem linearen, mechanischen System von der Ausgabeseite räumlich getrennt werden. Gründe für eine solche Trennung mit einem Push-Pull-Kabel gibt es viele. Da wäre der Schutz eines teuren Bauteils, zum Beispiel eines Elektrozylinders oder Servomotors vor Staub, Feuchtigkeit oder Hitze. Oder die Verlegung eines Antriebsteils, wie einem Pneumatikzylinder, aus einem engen Bauteil heraus, um noch kleiner zu Bauen und Platz zu sparen. Oder die Übertragung von Kraft zwischen zwei zueinander bewegten Bauteilen.

Im Baustoffbereich werden Push-Pull-Kabel im Bereich der Fertigungstechnik als Teil der Fördertechnik eingesetzt. Viele Baustoffe stauben stark, wenn sie geschnitten und bearbeitet oder einfach nur bewegt werden. Alle Bauteile entlang einer Fördereinrichtung wie Kugellager, Antriebe, Klappen und Hebesysteme werden vom Staub angegriffen. Dies führt zu häufigen Ausfall der teils teuren Bauteile. Mit Push-Pull-Kabeln werden Auswerfersysteme realisiert, bei denen der Antrieb in Form eines Pneumatikzylinders gekapselt über dem Förderband installiert ist. Die Bewegung des Zylinders wird durch ein abgedichtetes Push-Pull-Kabel an den Auswerfer, eine einfach Klappe, geführt. Dadurch wird die Lebensdauer des Pneumatikzylinders deutlich erhöht. Das Push-Pull-Kabel wird hier als flexible Verlängerung der Kolbenstange des Zylinders genutzt, der dadurch besser vor Verschmutzung geschätzt werden kann.

Pick and Place Robotern werden vorwiegend in der Verpackungstechnik genutzt, um Teile aufzunehmen und an einem anderen Ort gezielt abzulegen. Dazu werden auch spinnenähnliche Tripod-Roboter verwendet, die über der Arbeitsfläche hängend angebracht werden. Das zentrale Werkzeug, um die zu bewegenden Produkte zugreifen, hängt von drei Beinen mit dem Aufhängungselement verbunden, über der Arbeitsfläche. Mit Bewegungen der drei Beine kann das Werkzeug über die Arbeitsfläche hin und her geführt werden. Diese hin und her Bewegungen laufen sehr schnell ab. Für die Beine und die Motoren, die diese Bewegen, ist das Gewicht das Werkzeugs wichtig, da diese mitbewegt werden muss. Mit einem Push-Pull-Kabel kann man den Antrieb, im Werkzeugteil des Tripods, an das nicht bewegte Aufhängungselement verlagern. Die Bewegung zum Greifen eines Produktes wird über das Push-Pull-Kabel ans Werkzeug geleitet und der Antrieb muss so nicht mehr mitbewegt werden. Dadurch sinkt das Gewicht und auch das Trägheitsmoment des Roboters und noch schnellere Zyklen können gefahren werden.

In der Lebensmitteltechnik kann durch den Einsatz von Push-Pull-Kabeln verhindert werden, dass Betriebsmittel wie Hydrauliköle in die Nähe von Lebensmitteln gelangen können. Die Antriebe, die Hydrauliköle, Schmieröle oder Druckluft benötigen, können mit Push-Pull-Kabeln räumlich getrennt werden. Die Push-Pull-Kabel selber können in einem Schlauch dicht verschlossen werden. So weisen sie keinerlei Lücken auf und können leicht Schutzklasse IP65 erreichen. Diese Schutzklasse ist zum Reinigen der Geräte im Lebensmittelbereich nötig.

Auch ein Verzicht auf automatische Aktuatoren ist mit Push-Pull-Kabeln denkbar. Eine Maschine zum Verkorken von Flaschen könnte statt mit einer Pneumatik über ein Fußpedal betätigt werden. Das ist besonders interessant für Betriebe, die eine Fertigung ohne Druckluft anstreben.